
Seit 2017 tauschen über 120 Länder automatisch Finanzdaten aus. Wenn du ein Konto in Spanien, Singapur oder der Schweiz hast und in Deutschland, Österreich oder der Schweiz steuerpflichtig bist, weiß dein Finanzamt davon, ohne dass du irgendetwas melden müsstest. Die Bank tut es für dich.
Das ist der Common Reporting Standard (CRS).
CRS ist ein internationales Abkommen, entwickelt von der OECD, das Banken in Mitgliedsländern verpflichtet, Kontodaten ausländischer Kunden an deren Heimatländer zu melden. Das Ziel: Steuerhinterziehung durch Auslandskonten zu erschweren.
Konkret meldet deine Bank jedes Jahr an die lokale Steuerbehörde, welche ausländischen Kunden dort Konten haben. Die lokale Behörde leitet diese Daten an das jeweilige Heimatland des Kontoinhabers weiter.
Nicht nur Girokonten sind erfasst: Auch ein Wertpapierdepot ist ein meldepflichtiges Verwahrkonto, bei dem zusätzlich die Bruttoerlöse deiner Verkäufe mitgemeldet werden, was den Depotübertrag ins Ausland zu einer bewussten Entscheidung macht.
CRS ist kein Totalabruf deiner Finanzgeschichte. Es ist ein jährlicher Schnappschuss: Wer hat was wo.
Stand 2026 nehmen über 120 Jurisdiktionen teil. Einige wichtige Ausnahmen:
Nicht-CRS-Länder (Stand 2026): Nordmazedonien, Gambia, Serbien, Philippinen.
CRS-Mitglieder mit lückenhafter Umsetzung: Georgien (beigetreten 2024, in der Praxis werden TINs häufig nicht abgefragt). Armenien zeigt dieselbe Konstellation: offiziell beigetreten, aber ein praktisch wirksamer Datenaustausch wurde bislang nicht beobachtet. Vanuatu ist seit 2018 CRS-Mitglied und tauscht Daten aktiv aus, bleibt aber als steuerfreie Jurisdiktion ohne Einkommensteuer interessant.
Zunächst das Wichtigste: Ein Auslandskonto ist legal. Die Pflicht, die Erträge aus Auslandskonten in der Steuererklärung anzugeben, bestand in Deutschland, Österreich und der Schweiz schon lange vor CRS. CRS ändert nichts daran, was du deklarieren musst: es ändert nur, dass die Bank es zusätzlich automatisch meldet.
Was CRS ändert, ist die Durchsetzbarkeit. Vor CRS konnte man theoretisch ein Konto im Ausland haben und hoffen, dass niemand davon erfährt. Das ist vorbei. CRS stellt sicher, dass die Information automatisch fließt.
Wer sein Auslandskonto korrekt in der Steuererklärung angibt, hat durch CRS keinen Nachteil. Wer es nicht angegeben hat, hat jetzt ein Problem.
Die Gründe sind vielfältig, und meistens nicht das, was man vermuten würde.
Viele Kunden suchen nicht nach Steuervermeidung, sondern nach echtem Datenschutz. Sie wollen nicht, dass die Finanzdaten ihres Kontos durch zehn Behörden wandern, bevor sie beim deutschen Finanzamt landen. Jeder Datenpunkt auf diesem Weg ist ein potenzieller Risikopunkt.
Andere suchen nach Jurisdiktionen mit stabileren Bankensystemen, besseren Zinsen oder spezifischen Kontofunktionen, und es trifft sich, dass manche davon nicht CRS-pflichtig sind.
Und dann gibt es die Grauzone: Georgien ist dem CRS beigetreten, die Umsetzung ist aber in der Praxis lückenhaft. Steuer-IDs werden bei der Kontoeröffnung häufig nicht abgefragt. Das ändert nichts an deiner Deklarationspflicht, aber es bedeutet, dass der automatische Informationsfluss derzeit nicht zuverlässig funktioniert. Armenien zeigt dieselbe Konstellation: offiziell beigetreten, aber ein praktisch wirksamer Datenaustausch wurde bislang nicht beobachtet.
Fazit
CRS ist kein Anlass zur Panik, aber ein Anlass zur Klarheit. Wer sein Auslandskonto korrekt verwaltet, hat nichts zu befürchten. Wer strategisch denkt, berücksichtigt den CRS-Status einer Jurisdiktion als einen von vielen Faktoren bei der Wahl des richtigen Bankstandorts.
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Weiterführend: Auslandskonto beim Finanzamt melden: der vollständige Leitfaden
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Für individuelle steuerliche Fragen wende dich an einen zugelassenen Steuerberater.